Gesundheitssystem-
neu gedacht!
Das Gesundheitssystem neu gedacht
Warum ein wertbasierter Apparat keine Regulationsmedizin hervorbringen kann
Ein Gesundheitssystem ist nie neutral.
Es produziert genau die Art von Medizin, die seine Strukturen erlauben.
Wenn wir heute überwiegend:
chronische Erkrankungen
Dauertherapien
frühe Medikalisierung
sehen, dann nicht, weil Ärzte oder Patienten versagen,
sondern weil das System exakt darauf optimiert ist.
1. Das implizite Menschenbild des heutigen Systems
Das aktuelle Gesundheitssystem basiert unausgesprochen auf drei Annahmen:
Der menschliche Körper ist reaktiv, nicht adaptiv
Krankheit ist ein Defekt, kein Prozess
Stabilität ist wertvoller als Dynamik
Dieses Menschenbild ist:
technisch handhabbar
abrechenbar
leitlinienfähig
Aber biologisch unzureichend.
2. Warum Leitlinien Regulationsverlust nicht erkennen können
Leitlinien benötigen:
klare Schwellen
reproduzierbare Messwerte
eindeutige Entscheidungen
Regulation ist jedoch:
kontextabhängig
dynamisch
individuell
👉 Was sich nicht standardisieren lässt, verschwindet aus Leitlinien.
Folge:
Frühdysregulation bleibt unsichtbar
Spätstadien werden normiert
Kompensation wird als Erfolg gewertet
3. Zeit ist die entscheidende systemische Variable
Regulationsmedizin braucht:
Beobachtung
Reiz-Antwort-Analyse
Verlauf
Das heutige System vergütet:
Entscheidungen
Interventionen
Verordnungen
Nicht:
Denken
Warten
Lernen
👉 Ein System ohne Zeit kann keine Regulation verstehen.
4. Die Medikalisierung von Frühwarnsignalen
Bluthochdruck, Insulinresistenz, Entzündung werden im System behandelt als:
isolierte Pathologien
Tatsächlich sind sie:
Systemmeldungen
Das System reagiert darauf mit:
Blockade
Dämpfung
Normierung
Damit:
verschwinden Warnsignale
bleibt die Ursache aktiv
wird Regulierung weiter verlernt
👉 Das System löscht Alarmmeldungen, statt das Feuer zu suchen.
5. Ausbildung: Das blinde Zentrum
Ärztliche Ausbildung lehrt:
Pathomechanismen
Organlogik
Pharmakologie
Sie lehrt kaum:
Systemdynamik
Adaptation
Rückkopplung
Reversibilität
Mitochondrien erscheinen:
als Stoffwechselthema
nicht als Steuerzentrum
👉 Man kann keine Regulationsmedizin praktizieren, wenn man sie nie gelernt hat.
6. Verantwortung wird systematisch verschoben
Das heutige System verteilt Verantwortung so:
Ärzte: Leitlinienbefolgung
Patienten: Compliance
System: neutral
Regulationsmedizin würde verlangen:
individuelle Einschätzung
situative Entscheidungen
Verantwortung für Dynamik
👉 Das ist juristisch, ökonomisch und kulturell nicht vorgesehen.
7. Die gesellschaftlichen Schäden
Ein System, das Regulation ignoriert, erzeugt:
steigende Multimorbidität
immer frühere Chronifizierung
Verlust biologischer Resilienz
Abhängigkeit von Dauertherapie
Gesundheit wird:
verwaltet
nicht entwickelt
8. Was ein regulationsfähiges Gesundheitssystem leisten müsste
Ein solches System müsste:
Zeit für Beobachtung schaffen
dynamische Diagnostik erlauben
frühe Dysregulation ernst nehmen
Rückkehrfähigkeit honorieren
De-Medikalisierung ermöglichen
Nicht als Ersatz der Akutmedizin,
sondern als zweite Säule.
9. Der eigentliche Systembruch
Der wahre Konflikt ist nicht medizinisch, sondern strukturell:
Ein System, das Stabilität vergütet,
kann keine Anpassungsfähigkeit fördern.
Solange das so ist, bleibt:
Prävention oberflächlich
Diagnostik verspätet
Therapie dauerhaft
Zwischenfazit
Das heutige Gesundheitssystem ist:
hochkompetent in Akutsituationen
hochineffizient bei chronischer Dysregulation
Es ist nicht „falsch“ –
aber unvollständig.
Eine regulationsbasierte Medizin passt nicht hinein,
sie fordert Umbau.
Der entscheidende nächste Schritt
Jetzt stehen wir an der Schlüsselfrage:
Wie könnte ein paralleles, ergänzendes System aussehen,
das Regulationskompetenz fördert,
ohne das bestehende zu zerstören?
Ein Strukturmodell für regulationsbasierte Medizin
Wie ein zweites Betriebssystem Gesundheit wieder lernfähig macht
Ein Gesundheitssystem kann nicht „umgestellt“ werden wie eine Software.
Aber es kann ergänzt werden.
Die entscheidende Idee lautet:
Akutmedizin stabilisiert –
Regulationsmedizin entwickelt Kompetenz.
Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Beide sind notwendig.
Aber sie dürfen nicht verwechselt werden.
1. Grundarchitektur: Zwei Ebenen, eine Verantwortung
Ebene A: Akut- & Reparaturmedizin (bestehend)
Zuständig für:
Notfälle
Infektionen
Trauma
strukturelle Schäden
irreversible Pathologien
Logik:
schnell
standardisiert
leitlinienbasiert
interventionell
👉 Diese Ebene bleibt unangetastet.
Ebene B: Regulationsmedizin (neu)
Zuständig für:
frühe Dysregulation
funktionelle Störungen
chronische Vorstadien
Wiederherstellung von Fähigkeit
Logik:
dynamisch
verlaufsorientiert
individuell
kompetenzaufbauend
👉 Diese Ebene fehlt derzeit fast vollständig.
2. Zugang: Wer kommt in die Regulationsmedizin?
Nicht:
„Gesunde“
Akutkranke
Sondern Menschen mit:
beginnender Hypertonie
metabolischer Dysregulation
Stressintoleranz
Erschöpfung
inflammatorischer Fragilität
multiplen „unspezifischen“ Symptomen
👉 Die klassische Grauzone, die heute entweder:
beruhigt
oder früh medikalisiert wird.
3. Kernmodul 1: Regulationsdiagnostik
Keine neue Hightech-Medizin, sondern neue Logik.
Merkmale:
Reiz-Antwort-Beobachtung
Verlauf statt Punktmessung
Erholung als Hauptmarker
Kopplung statt Einzelwert
Ergebnis:
Regulationsprofil, kein ICD-Code
👉 Das System sieht nicht was jemand hat,
sondern was jemand kann – und nicht mehr kann.
4. Kernmodul 2: Regenerationsfenster
Das System schafft zeitliche Räume, die heute fehlen.
Nicht:
7-Minuten-Kontakte
schnelle Entscheidungen
Sondern:
Beobachtung über Zeit
Anpassung von Reizen
Lernen auf Systemebene
👉 Zeit wird zur therapeutischen Ressource.
5. Kernmodul 3: Fähigkeitsorientierte Intervention
Nicht:
Dauertherapie
Normierung
Blockade
Sondern:
schrittweise Wiederherstellung von:
Rückkehrfähigkeit
Reaktivität
Kohärenz
Wichtig:
Interventionen sind reversibel
Fortschritt wird an Autonomie, nicht an Abhängigkeit gemessen
👉 Ziel ist Entlassung, nicht Bindung.
6. Vergütungslogik: Der kritische Hebel
Ein regulationsbasiertes System kann nicht funktionieren, wenn es:
nur Intervention vergütet
nur Verordnung honoriert
nur Stabilisierung bezahlt
Neue Vergütungslogik:
Zeit
Verlauf
Reduktion von Medikation
Wiedergewinn von Funktion
👉 Nicht das Tun, sondern das Ermöglichen wird honoriert.
7. Rolle der Ärzte im Strukturmodell
Ärzte sind hier nicht:
primär Verordnende
sondern Systembeobachter
Kompetenzen:
Interpretation von Dynamik
Entscheidung wann nicht eingegriffen wird
Steuerung von Sequenzen
Schutz vor Überforderung
👉 Weniger Kontrolle, mehr Führung.
8. Rolle der Patienten
Patienten sind nicht:
Konsumenten
Objekte von Intervention
Sondern:
aktive Regulationssysteme
Das Modell setzt voraus:
Beobachtungsfähigkeit
Rückmeldung
Lernbereitschaft
👉 Autonomie ist Teil der Therapie.
9. Systemische Vorteile
Ein solches Parallelmodell:
reduziert Chronifizierung
senkt Langzeitkosten
entlastet Akutmedizin
erhöht Resilienz
verschiebt Prävention nach vorne
Es bekämpft nicht Symptome,
sondern die Entstehung von Dauerpatienten.
10. Warum dieses Modell realistisch ist
Weil es:
nichts Bestehendes abschafft
keine neue Technologie braucht
keine Ideologie voraussetzt
Es braucht nur:
andere Fragen
andere Zeitverwendung
andere Bewertung von Erfolg
Zwischenfazit
Ein Gesundheitssystem muss nicht perfekt sein.
Aber es muss biologisch kohärent sein.
Solange Regulation keinen Platz hat,
wird Krankheit effizient verwaltet –
aber Gesundheit nicht entwickelt.
Dieses Strukturmodell schafft:
einen Ort für frühe Dysregulation
eine Sprache für Fähigkeit
eine Medizin vor der Krankheit
Die ärztliche Rolle in einer regulationsbasierten Medizin
Vom Intervenierenden zum Hüter von Systemkompetenz
Die heutige ärztliche Rolle ist historisch gewachsen aus:
Akutmedizin
Infektionsmedizin
Reparaturmedizin
Sie ist hervorragend darin, Gefahr zu bannen.
Sie ist strukturell ungeeignet, Regulation zu entwickeln.
Das ist kein Vorwurf – sondern eine logische Konsequenz.
1. Der implizite Rollenauftrag heute
Unbewusst wird Ärzten heute Folgendes abverlangt:
Abweichungen erkennen
Entscheidungen treffen
Risiken minimieren
Leitlinien einhalten
Verantwortung absichern
Das erzeugt eine Rolle des:
Kontrolleurs biologischer Abweichung
Nicht des:
Entwicklers biologischer Kompetenz
2. Warum diese Rolle bei chronischer Dysregulation scheitert
Chronische Zustände sind:
langsam
dynamisch
kontextabhängig
nicht linear
Eine Rolle, die auf:
schnelle Entscheidung
eindeutige Intervention
optimiert ist, kann das nicht abbilden.
👉 Das Resultat ist:
frühe Medikation
Dauertherapie
resignierte Begleitung
3. Die neue ärztliche Kernkompetenz: Systemlesen
Die zentrale Fähigkeit der regulationsbasierten Ärztin / des Arztes ist:
Systemverhalten zu lesen.
Nicht:
einzelne Werte
isolierte Organe
Sondern:
Reaktionen
Übergänge
Rückkehr
Kopplungen
Das erfordert:
Beobachtung
Geduld
Mustererkennung
👉 Weniger Aktion, mehr Präzision.
4. Ärzte als Kalibrator, nicht als Steuerrad
In der neuen Rolle sind Ärzte nicht:
das Steuerrad
der Regler
der permanente Eingreifer
Sondern:
der Kalibrator
der Schutz vor Überforderung
der Hüter der Sequenz
Sie entscheiden:
wann ein Reiz sinnvoll ist
wann Pause notwendig ist
wann Nichtstun die beste Intervention ist
👉 Das ist medizinisch anspruchsvoller als Verordnung.
5. Verantwortung wird nicht abgegeben, sondern verschoben
Klassisch:
Arzt trägt Verantwortung für den Wert
Neu:
Arzt trägt Verantwortung für den Prozess
Das bedeutet:
weniger juristische Eindeutigkeit
mehr fachliche Integrität
mehr Kommunikation
👉 Verantwortung wird qualitativ, nicht quantitativ.
6. Die therapeutische Haltung: Ermöglichen statt Erzwingen
Die ärztliche Haltung verändert sich fundamental:
Nicht:
„Ich senke Ihren Blutdruck.“
Sondern:
„Ich helfe Ihrem System, Druck wieder selbst zu modulieren.“
Nicht:
„Sie müssen das nehmen.“
Sondern:
„Wir beobachten gemeinsam, was Ihr System leisten kann.“
👉 Autorität entsteht aus Verstehen, nicht aus Kontrolle.
7. Ausbildung: Was Ärzte neu lernen müssten
Nicht mehr Fakten (davon gibt es genug), sondern:
Systemdynamik
Feedbackschleifen
Redox- und Mitochondrienlogik
Autonomes Nervensystem
Interpretation von Verläufen
Grenzen von Intervention
👉 Weniger Pathologie, mehr Physiologie in Bewegung.
8. Die Arzt-Patient-Beziehung verändert sich
Sie wird:
partnerschaftlicher
dialogischer
weniger paternalistisch
Patienten sind nicht:
„nicht compliant“
sondern:
Systeme mit begrenzter Reserve
👉 Schuld verschwindet, Verantwortung wird geteilt.
9. Warum diese Rolle heute kaum lebbar ist
Nicht wegen fehlender Bereitschaft, sondern wegen:
Zeitmangel
Leitliniendruck
Abrechnungslogik
juristischer Angst
👉 Die Rolle scheitert am System, nicht an Ärzten.
10. Zwischenfazit
Die regulationsbasierte Medizin braucht keine neuen Helden.
Sie braucht eine andere ärztliche Rolle:
weniger Kontrolle
mehr Wahrnehmung
weniger Aktionismus
mehr Timing
Ärzte werden dadurch nicht überflüssig –
sondern endlich systemrelevant im eigentlichen Sinne.
Kostenanalyse & gesellschaftliche Aussicht
Warum regulationsbasierte Medizin nicht teurer ist – sondern spätere Kosten verhindert
Die entscheidende Frage lautet nicht:
Können wir uns dieses Modell leisten?
Sondern:
Können wir uns leisten, es nicht einzuführen?
1. Die Kostenstruktur des heutigen Systems (Kurzüberblick)
Chronische Erkrankungen verursachen den Großteil der Gesundheitskosten:
ca. 70–80 % der Gesundheitsausgaben
dominierend:
Hypertonie
Diabetes Typ 2
kardiovaskuläre Folgeerkrankungen
chronische Entzündung
Multimedikation
Folgekomplikationen
Charakteristisch:
lange Krankheitsverläufe
lebenslange Medikation
steigende Multimorbidität
zunehmende Pflegebedürftigkeit
👉 Das System zahlt nicht für Krankheit – sondern für Dauer.
2. Wo die Kosten tatsächlich entstehen
Nicht primär bei:
Diagnostik
ärztlicher Zeit
Prävention
Sondern bei:
Dauermedikation
Krankenhausaufenthalten
Folgeerkrankungen
Pflege
Produktivitätsverlust
Frühverrentung
Ein chronisch regulativ geschwächtes System ist:
ökonomisch exponentiell teuer
3. Was regulationsbasierte Medizin zusätzlich kostet
Realistisch betrachtet entstehen keine High-Tech-Mehrkosten, sondern:
Zusatzkosten:
mehr ärztliche Zeit (früh)
Verlaufskontrollen
dynamische Diagnostik
Koordination statt Intervention
Grob geschätzt:
+10–20 % Mehrkosten pro Patient im Frühstadium
👉 Das ist der teuerste Punkt des Modells – und zugleich der wichtigste.
4. Wo das Modell Kosten einspart
1️⃣ Reduktion von Chronifizierung
Wenn Regulationsverlust vor fixer Pathologie abgefangen wird:
weniger lebenslange Medikation
weniger Multimedikation
weniger Nebenwirkungen
weniger Eskalation
Schon eine 10–15 % geringere Chronifizierung hat massive Effekte.
2️⃣ Reduktion kardiovaskulärer Folgeereignisse
Bluthochdruck ist kein Einzelproblem, sondern ein:
Risiko-Multiplikator
Verbesserte Regulationsfähigkeit bedeutet:
weniger Herzinfarkte
weniger Schlaganfälle
spätere Ereignisse
geringere Schwere
👉 Jeder vermiedene schwere Folgefall spart sechsstellige Beträge.
3️⃣ Weniger Pflegebedürftigkeit
Chronische Dysregulation ist ein Haupttreiber von:
Gebrechlichkeit
Stürzen
kognitivem Abbau
Selbst 1–2 Jahre spätere Pflegebedürftigkeit pro Person:
entlastet Sozialsysteme massiv
4️⃣ Produktivität & gesellschaftliche Teilhabe
Ein regulativ stabiles System:
bleibt länger arbeitsfähig
benötigt weniger Krankschreibung
altert funktionell langsamer
👉 Diese Effekte tauchen nicht im Gesundheitsbudget,
aber sehr wohl in der Volkswirtschaft auf.
5. Die entscheidende ökonomische Logik
Das heutige System ist:
kurzfristig billig, langfristig ruinös
Regulationsbasierte Medizin ist:
kurzfristig aufwendiger, langfristig massiv kostensenkend
Der Break-Even liegt realistisch:
nach 5–10 Jahren, je nach Implementierung
Danach sinken:
Pro-Kopf-Kosten
Versorgungsintensität
Abhängigkeit
6. Warum klassische Kostenanalysen das nicht abbilden
Weil sie:
in Jahresbudgets denken
Interventionen isoliert bewerten
Dynamik nicht modellieren
Rückkehrfähigkeit nicht erfassen
👉 Regulation ist ein Langzeit-Asset – kein Quartalsposten.
7. Gesellschaftliche Aussicht bei Gelingen
Wenn das Modell greift, entstehen:
Medizinisch
weniger „austherapierte“ Patient:innen
weniger Polypharmazie
klarere ärztliche Rollen
höhere Versorgungsqualität
Gesellschaftlich
mehr funktionelle Alterung
weniger Pflegeabhängigkeit
höhere Selbstwirksamkeit
geringere Krankheitsangst
Systemisch
Entlastung der Akutmedizin
sinnvollere Ressourcennutzung
echte Prävention
stabilere Finanzierung
8. Der eigentliche Gewinn
Der größte Gewinn ist nicht monetär, sondern strukturell:
Ein System, das Gesundheit entwickelt,
statt Krankheit zu verwalten.
Das reduziert:
Kosten
Leid
Abhängigkeit
Gleichzeitig erhöht es:
Kompetenz
Autonomie
Resilienz
9. Ehrliche Grenzen
Dieses Modell:
ist kein Schnellfix
braucht Zeit
braucht Pilotprojekte
braucht politische Geduld
Aber:
Es ist das erste Modell, das biologisch, medizinisch und ökonomisch kohärent ist.
Abschlussgedanke
Die entscheidende Erkenntnis lautet:
Chronische Krankheit ist nicht teuer,
weil sie komplex ist –
sondern weil sie zu spät verstanden wird.
Regulationsbasierte Medizin verschiebt:
Zeit
Aufmerksamkeit
Verantwortung
Und genau dadurch:
verschiebt sie Kosten nach unten – und Leben nach oben.
Konsequenzen für die Pharmaindustrie
Vom Dauerblockierer zum temporären Ermöglicher
Die Pharmaindustrie ist kein Fremdkörper im Gesundheitssystem.
Sie ist ein Produkt desselben Denkmodells:
Krankheit = stabiler Zustand →
Therapie = dauerhafte Korrektur →
Erfolg = langfristige Einnahme
Eine regulationsbasierte Medizin stellt dieses Modell nicht moralisch, sondern funktional infrage.
1. Der heutige implizite Auftrag der Pharmaindustrie
Aktuell liefert Pharma vor allem:
Blocker
Senker
Hemmer
Substituenten
Diese Medikamente sind:
hochwirksam
oft lebensrettend
unverzichtbar in Akutsituationen
Aber sie sind optimiert für:
stabile Zustände, nicht für lernende Systeme
2. Warum das aktuelle Geschäftsmodell biologisch kollidiert
Regulationsbasierte Medizin zielt auf:
Wiederherstellung von Fähigkeit
zeitlich begrenzte Intervention
Rückgabe von Autonomie
Das widerspricht einem Modell, das auf:
Langzeiteinnahme
chronische Indikationen
lebenslange „Therapietreue“
optimiert ist.
👉 Das ist kein ethischer Konflikt, sondern ein struktureller.
3. Medikamente verlieren nicht ihren Wert – sie wechseln ihre Rolle
In einem regulationsbasierten System sind Medikamente:
Werkzeuge, nicht Lösungen
temporäre Stützen, nicht Dauerkrücken
Signaldämpfer, nicht Systemersatz
Beispiele (konzeptionell, nicht therapeutisch):
Blutdrucksenker als Übergang
Entzündungshemmer als Reset-Fenster
Stoffwechselmodulatoren als Trainingshilfe
👉 Die Wertschöpfung liegt im Timing, nicht in der Dauer.
4. Der größte Paradigmenwechsel: Erfolg = Entbehrlichkeit
Im neuen Modell ist ein Medikament erfolgreich, wenn:
es dem System hilft, es wieder nicht zu brauchen
Das ist:
biologisch sinnvoll
medizinisch hochwertig
Aber:
ökonomisch ungewohnt
👉 Das erfordert ein völlig anderes Erfolgsverständnis.
5. Neue Chancen für die Pharmaindustrie
Entgegen der Befürchtung bedeutet dieses Modell keinen Bedeutungsverlust, sondern eine Neupositionierung.
1️⃣ Kurzzeit-, Sequenz- und Kombinationslogik
Medikamente als Teil von Phasenmodellen
präzise Einbettung in Regenerationssequenzen
➡️ höherer medizinischer Wert pro Einsatz
2️⃣ Fokus auf Regulationsfenster
Entwicklung von Substanzen, die:
Rückkehrfähigkeit erleichtern
Redox-Flexibilität verbessern
mitochondriale Signalpräzision unterstützen
➡️ neue Indikationslogik jenseits klassischer Diagnosen
3️⃣ Outcome-Verschiebung
Erfolgsmessung nicht mehr:
nach Einnahmedauer
sondern:
nach Reduktion von Folgeerkrankungen
nach Wiedergewinn von Funktion
➡️ Pay-for-Outcome statt Pay-for-Persistence
6. Was nicht mehr funktionieren wird
Langfristig unter Druck geraten:
Medikamente ohne Exit-Strategie
rein symptomatische Dauerblocker
Indikationen ohne funktionellen Nutzen
Polypharmazie als Standard
👉 Nicht, weil sie „schlecht“ sind,
sondern weil sie biologisch ineffizient sind.
7. Auswirkungen auf Forschung & Entwicklung
F&E müsste sich verschieben von:
monokausalen Targets
linearen Pathway-Modellen
hin zu:
Netzwerkmodulation
Redox- und Energieregulation
Systemdynamik
Das bedeutet:
komplexere Studien
andere Endpunkte
längere Beobachtung
👉 Aber auch höhere medizinische Relevanz.
8. Gesellschaftliche Wirkung
Eine Pharmaindustrie, die:
temporär unterstützt
Kompetenz fördert
Abhängigkeit reduziert
würde:
Vertrauen zurückgewinnen
Legitimität stärken
langfristig stabilere Märkte schaffen
9. Der wahre Konflikt
Der eigentliche Konflikt ist nicht:
Medizin vs. Pharma
Sondern:
Biologie vs. Geschäftslogik
Und Biologie setzt sich langfristig immer durch.
10. Schlussgedanke
Eine regulationsbasierte Medizin macht die Pharmaindustrie nicht überflüssig.
Sie macht sie:
präziser
verantwortlicher
wissenschaftlich relevanter
Aber sie fordert:
den Mut, Erfolg nicht an Dauer,
sondern an Wiederherstellung zu messen.
Gesamtfazit
Was wir hier entworfen haben, ist kein Gegenmodell zur Medizin,
sondern die Vollendung ihres biologischen Anspruchs.
Prävention schützt Fähigkeit
Diagnostik erkennt Dynamik
Therapie stellt Kompetenz wieder her
Ärzte lesen Systeme
das Gesundheitssystem schafft Raum
Pharma liefert temporäre Werkzeuge
👉 Gesundheit wird damit wieder ein Prozess – kein Produkt.

Es ist nicht „falsch“ –
aber unvollständig. Nein, es ist falsch. Pay for Outcome? Heute genügt bei Ärzten reines Bemühen für den Honoraranspruch. Erfolg, gar vielleicht dauerhaft mit Gewährleistung, wird nicht geschuldet. Jedem Maurer, dem die Mauer umfällt, obwohl er sich doch so bemüht, hängt man Pönalen um. Ein Arzt darf abkassieren, völlig egal, ob es nützt oder schädigt. Da wird es echt schwierig, Ärzte zu finden, die wirklich heilen wollen und können - und finanziellen Anreizen widerstehen. Die gibt es - meist aus dem ehemaligen "Ostblock" stammend - und denen macht man es echt schwer.